|
Hito Steyerl WS 2001/02 Der Titel Imagining democracy verweist auf zwei Konzepte. Zum einen verweist er auf den Begriff "Imagined community" des Nationalismusforschers Benedict Anderson. Bei der Nation handle es sich um eine Gemeinschaft, die auf bestimmten geteilten Vorstellungen beruhe. In Bezug auf das Seminar lautet die Frage: welche Register der Einbildungskraft werden analog dazu im Begriff der Demokratie aktiviert? Welche Bilder von Demokratie zirkulieren? Welche Effekte werden damit produziert? Das zweite Konzept stammt von Teresa de Lauretis. Im Rahmen feministischer Filmtheorie wird "Imaging" als Prozess verstanden, der ein "soziales Imaginaeres" herstellt, das wiederum die konkrete Produktion spezifischer Subjektivitaeten befoerdert. "Imaging" befragt also die Weise, in der Bilder Widersprueche in subjektiven und sozialen Prozessen erzeugen. In diesem Seminar geht es darum, diesen Prozess zu untersuchen und zu artikulieren. Die Auswirkung der verschiedenen Arten, Demokratie einzubilden oder zu verbildlichen, sollen im lokalen Kontext sichtbar gemacht werden. Welche Widersprueche produzieren Bilder von Demokratie in konkreten Alltagssituationen? Was fuer Wirkungen erzeugen sie im "sozialen Imaginaeren"? Wie artikulieren sich darin Prozesse kapitalistischer Polarisierung und rassistischer und sexistischer Unterschichtung? In diesem Rahmen soll auch die Berliner Plattform der d11 "Democracy Unrealized" begleitet werden. Waehrend der Dauer dieser Platform im Oktober werden wir uns mit den dort vertretenen Thesen und Konstruktionsansaetzen befassen. Danach sollen die lokalen Auswirkungen der dort beschriebenen Prozesse von Globalisierung und De-/Rekolonialisierung vor Ort untersucht werden. Z.B: Wie wirken sich die Attentate in Amerika lokal auf dem Gebiet der Inneren Sicherheit aus? Welche Auswirkungen haben sie auf den Einwanderungsdiskurs oder die Antiglobalisierungsbewegung? Was bedeuten Massnahmen wie Rasterfahndung in Bezug auf Theorien von Identitaet und Subjekt - aber auch der gesellschaftlichen und kuenstlerischen Praxis? Geplant ist, diese Widersprueche in Form kuenstlerischer Projekte und Recherchearbeiten zu artikulieren. Der erste Termin findet einen Tag nach der Vorlesung von Homi K. Bhabha im Haus der Kulturen der Welt am 9.10 statt. Dort wird Zielsetzung und bisherige Diskussion des Themas Democracy Unrealised vorgestellt und diskutiert. Gezeigt wird dort auch eine Aufzeichnung des Vortrages von Stuart Hall in Wien mit dem Titel: Democracy, Globalisation and Difference. Im Handapparat sind auch einige der anderen bisherigen Vortraege zugaenglich. ZUM SEMINARPLAN & LITERATURLISTE Programm Democracy Unrealised__________________________________________________________ Dienstag, 9.10. 19.00 Begrüßung Dr. Hans-Georg Knopp, Haus der Kulturen der Welt Okwui Enwezor, Künstlerischer Leiter Documenta11 20.00 Uhr Homi K. Bhabha "Die Kunst
der Demokratie" Dienstag, 16.10. 20.00 Uhr Wole Soyinka "Demokratie
im postkolonialen Afrika" Donnerstag, 18.10. 20.00 Uhr Ernesto Laclau "Macht, Repräsentation, Hegemonie und Universalität" Ernesto Laclau, Professor für Politikwissenschaften am Institut für Theoretische Studien in den Geistes- und Sozialwissenschaften, University of Essex, Colchester Der in Argentinien geborene Ernesto Laclau studierte an den Universitäten von Buenos Aires und Oxford. Er ist derzeit Professor für Politische Theorie und Direktor des Doktorandenprogramms zu den Themen Ideologie und Diskursanalyse am "Centre for Theoretical Studies in the Humanities and Social Sciences" an der Essex University. Zu seinen Werken zählen "New Reflections on the Revolution of our Time" (1990) sowie "Contingency, Hegemony, Universality. Contemporary Dialogues on the Left" (2000). Samstag, 27.10. 20.00 Uhr Nawal el Saadawi "Islam
und Demokratie" Dienstag, 30.10. 20.00 Uhr Harbans Mukhia "Über
Einheit und Vielfalt der Demokratie" Veranstalter: |