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Hito Steyerl
Postkoloniale Kritik II: Imagining democracy
Jeden Mittwoch, 14.00-17.00, Raum 150, in der Hardenbergstr. 33
Ab 17.10 woechentlich bis 19.12

WS 2001/02

Der Titel Imagining democracy verweist auf zwei Konzepte. Zum einen verweist er auf den Begriff "Imagined community" des Nationalismusforschers Benedict Anderson. Bei der Nation handle es sich um eine Gemeinschaft, die auf bestimmten geteilten Vorstellungen beruhe. In Bezug auf das Seminar lautet die Frage: welche Register der Einbildungskraft werden analog dazu im Begriff der Demokratie aktiviert? Welche Bilder von Demokratie zirkulieren? Welche Effekte werden damit produziert? Das zweite Konzept stammt von Teresa de Lauretis. Im Rahmen feministischer Filmtheorie wird "Imaging" als Prozess verstanden, der ein "soziales Imaginaeres" herstellt, das wiederum die konkrete Produktion spezifischer Subjektivitaeten befoerdert. "Imaging" befragt also die Weise, in der Bilder Widersprueche in subjektiven und sozialen Prozessen erzeugen. In diesem Seminar geht es darum, diesen Prozess zu untersuchen und zu artikulieren.

Die Auswirkung der verschiedenen Arten, Demokratie einzubilden oder zu verbildlichen, sollen im lokalen Kontext sichtbar gemacht werden. Welche Widersprueche produzieren Bilder von Demokratie in konkreten Alltagssituationen? Was fuer Wirkungen erzeugen sie im "sozialen Imaginaeren"? Wie artikulieren sich darin Prozesse kapitalistischer Polarisierung und rassistischer und sexistischer Unterschichtung?

In diesem Rahmen soll auch die Berliner Plattform der d11 "Democracy Unrealized" begleitet werden. Waehrend der Dauer dieser Platform im Oktober werden wir uns mit den dort vertretenen Thesen und Konstruktionsansaetzen befassen. Danach sollen die lokalen Auswirkungen der dort beschriebenen Prozesse von Globalisierung und De-/Rekolonialisierung vor Ort untersucht werden.

Z.B: Wie wirken sich die Attentate in Amerika lokal auf dem Gebiet der Inneren Sicherheit aus? Welche Auswirkungen haben sie auf den Einwanderungsdiskurs oder die Antiglobalisierungsbewegung? Was bedeuten Massnahmen wie Rasterfahndung in Bezug auf Theorien von Identitaet und Subjekt - aber auch der gesellschaftlichen und kuenstlerischen Praxis? Geplant ist, diese Widersprueche in Form kuenstlerischer Projekte und Recherchearbeiten zu artikulieren.

Der erste Termin findet einen Tag nach der Vorlesung von Homi K. Bhabha im Haus der Kulturen der Welt am 9.10 statt. Dort wird Zielsetzung und bisherige Diskussion des Themas Democracy Unrealised vorgestellt und diskutiert. Gezeigt wird dort auch eine Aufzeichnung des Vortrages von Stuart Hall in Wien mit dem Titel: Democracy, Globalisation and Difference.

Im Handapparat sind auch einige der anderen bisherigen Vortraege zugaenglich.

ZUM SEMINARPLAN & LITERATURLISTE

Programm Democracy Unrealised__________________________________________________________

Dienstag, 9.10.

19.00 Begrüßung Dr. Hans-Georg Knopp, Haus der Kulturen der Welt Okwui Enwezor, Künstlerischer Leiter Documenta11

20.00 Uhr Homi K. Bhabha "Die Kunst der Demokratie"
Homi K. Bhabha, Professor für englische Sprach- und Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte und südasiatische Sprachen und Kulturen an der University of Chicago, Illinois Geboren 1949 in Indien, studierte Bhabha an den Universitäten von Bombay und Oxford. Er gilt als Vordenker der "postcolonial studies" in den USA und lehrt an der University of Chicago. Außerdem ist er als Berater zahlreicher Kunstinstitute täätig. Zu seinen Werken zählen "Nation and Narration" (1990), "The Location of Culture" (1994) und "Negotiation Rapture. The Power of Art to Transform Lives" (1996).

Dienstag, 16.10.

20.00 Uhr Wole Soyinka "Demokratie im postkolonialen Afrika"
Wole Soyinka, Schriftsteller, Theaterregisseur, Professor für Vergleichende Literaturwissenschaften an der Emory University, Atlanta, Georgia, Nobelpreisträger (1986) für Literatur. Der Dramatiker, Essayist, Romanschriftsteller und Theaterregisseur wurde 1934 in Westnigeria geboren. 1986 erhielt er als erster Afrikaner den Nobelpreis für Literatur. Soyinka, der zu den bekanntesten Literaten Afrikas zählt, hat sich in seiner Heimat immer wieder politisch engagiert, was ihm unter anderem zwei Jahre Haft einbrachte. Heute lebt er, nach längeren Aufenthalten in Paris und New York, zeitweise wieder in Nigeria. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen in Deutschland zählen "Akéé. Eine afrikanische Kindheit" (1986) und "Der Mann ist tot" (1987). Zuletzt erschien "Die Last des Erinnerns" (2001).

Donnerstag, 18.10.

20.00 Uhr Ernesto Laclau "Macht, Repräsentation, Hegemonie und Universalität"

Ernesto Laclau, Professor für Politikwissenschaften am Institut für Theoretische Studien in den Geistes- und Sozialwissenschaften, University of Essex, Colchester Der in Argentinien geborene Ernesto Laclau studierte an den Universitäten von Buenos Aires und Oxford. Er ist derzeit Professor für Politische Theorie und Direktor des Doktorandenprogramms zu den Themen Ideologie und Diskursanalyse am "Centre for Theoretical Studies in the Humanities and Social Sciences" an der Essex University. Zu seinen Werken zählen "New Reflections on the Revolution of our Time" (1990) sowie "Contingency, Hegemony, Universality. Contemporary Dialogues on the Left" (2000).

Samstag, 27.10.

20.00 Uhr Nawal el Saadawi "Islam und Demokratie"
21.00 Zhiyuan Cui "Machiavelli und die Zukunft der radikalen Demokratie"

Nawal al-Saadawi, Schriftstellerin, feministische Aktivistin und Psychiaterin, Kairo Die Autorin, Psychologin und Feministin Nawal el Saadawi gilt als "Simone de Beauvoir der arabischen Welt". Ihr engagiertes Eintreten für die politischen und sexuellen Rechte der Frauen wurde mit mehreren Gefängnisaufenthalten bestraft. Im Juli dieses Jahres mußte sie sich wegen angeblich blasphemischer Äußerungen vor Gericht verteidigen, hat den Prozeß aber gewonnen. Zu ihren Büchern zählen "Women and Sex" (1972), "The Hidden Face of Eve" (1977) und "The Innocence of the Devil" (1994). Zhiyuan Cui, außerordentlicher Professor für Ökonomie and der Universität Peking und Gastprofessor am Ostasien-Institut der Universität Singapur (2001-2002) Zhiyuan Cui war von 1995 bis zum Sommersemester diesen Jahres Assistenzprofessor für politische Wissenschaften am Institute of Technology, Massachusetts. Zur Zeit ist er Professor für Ökonomie an der Universität Peking und Gastprofessor am Ostasieninstitut der Universität Singapur. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Gebieten komparative Politik Chinas und Ostasiens sowie politische Ökonomie und politische Philosophie. Er hat "Roberto Mangabeira Unger: Politics. The Central Texts" (1997) herausgegeben, ist Co-Autor des Buches "Sustainable Democracy" (1993) und hat verschiedene Essays zu den Veränderungen in den ehemals sozialistischen Ländern Osteuropas verfaßt. Demnächst erscheint "Wrestling with the Invisible Hand".

Dienstag, 30.10.

20.00 Uhr Harbans Mukhia "Über Einheit und Vielfalt der Demokratie"
Harbans Mukhia, Professor für Geschichte, Rektor der Jawaharlal Nehru University, Neu-Delhi Harbans Mukhia, geboren in Indien, ist Professor der Geschichte und Rektor der Jawaharlal Nehru University, Neu Delhi. Zu seinen Werken zählen "Communalism and the Writing of Indian History" (1969), "Religion, Religiosity and Communalism" (1996) und "Feudalism Debate" (1999). Außerdem ist er Herausgeber der Zeitschrift "The Medieval History Journal". Sprache der Vorträge: Englisch mit Simultanübersetzung.

Veranstalter:
Haus der Kulturen der Welt
Berliner Künstlerprogramm des DAAD
Weitere Themen sind in Vorbereitung

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